Geschichte der ehemaligen Gemeinde Alzgern


Mit der Eingemeindung in die Stadt Neuötting im Jahr 1971 endet die politische Selbständigkeit der ehemaligen Gemeinde Alzgern. Damit ist jedoch das Selbstverständnis, ein Alzgerner zu sein, nicht Vergangenheit, Vereine, die Pfarrei und die Dorfgemeinschaften sind sich der gemeinsamen Alzgerner Vergangenheit und Zukunft bewußt.

Die ehemalige Gemeinde Alzgern war eingegrenzt zwischen den Fluten des Inns im Norden, dem Öttinger Forst im Süden, im Westen angrenzend an die Fluren der Stadt Neuötting und im Osten keilförmig sich verjüngend eingegrenzt von der Alz bis zu seiner Mündung in den Inn. Diese Keilform war es auch, die der Gemeinde Alzgern den Namen gab. In dem Ger (Mittelhochdeutsch: ger, gere= Speer oder Wurfspieß) zwichen Inn und Alz wurden Siedlungen gegründet, die dem Alzgern zugeordnet wurden.

 

 

Mit dem Begriff Alzgern war zuerst nur der Gesamtbereich gemeint, die Fluren mit fünf Dörfern, sechs Weilern und 24 Einöden. Erst später hat sich der reine Landschaftsname zum Orstnamen für das Dorf Alzgern gewandelt. Bis Ende des 18. Jahrhundert hieß das Dorf Alzgern: Sandmareinkichen in dem Alzgern.

Besiedlung: Früheste Spuren der Besiedlung in Alzgern in der Jungsteinzeit (ca. 4000 v. Chr.) konnten erst durch einen Silexfund im Jahr 1997 nachgewiesen werden. Eine fortwährende Besiedlung ist durch Funde aus der Bronzezeit (2200 - 1300 v. Chr), aus der Hallstattzeit (800 - 600 v. Chr.) und aus der Latènezeit (500 - 100 v. Chr.) belegbar.

Nach der römischen Verwaltung im Noricum, die für Alzgern nur durch Streufunde am westlichen Rand der Gemeinde nachgeweisen ist, erfolgte im 6. Jahrhundert die Bairische Landnahme. Im Frühen Mittelalter (500 - 800) wurden die ersten Orte (ing-Orte), wie Mittling, Jaubing und Schwepfing gegründet. Reihengräberfelder bezeugen die Siedlung im Gern.

Aufgrund der Nähe zum agilolfgischen Herzogshof in Altötting dürfte auch im Bereich des Alzgerns bereits anfangs des 8. Jhd. die Christianisierung eingesetzt haben. Die Bekehrung der heidnischen Bajuwaren erfolgte vermutlich durch Missionare aus Salzburg, die der Salzburger Bischof, der H. Rupertus, aussandte.

In den Dörfern wurden Kirchen errichtet, wohl zuerst als Holzbauten, im 12.Jhdt. aus Mauerwerk. So beinhalten sämtliche Kirchen im Alzgern romanische Grundlagen: St. Nikolaus in Mittling; St. Petrus und Paulus in Mitterhausen; Mariä Himmelfahrt in Alzgern (spätromanisch, 13. Jhdt.); St. Margaretha in Untereschelbach.

 


Erste schriftliche Nachweise über die Orte im Alzgern:

  • 928: Mittling: Schenkung des Ortes "Mutilingam" mit Kirche durch Bischof Odalbert
  • 933: Untereschelbach: Der Salzburger Erzbischof erwarb einen Hof in "Eschkilinpah"
  • 1170: Mitterhausen: "Bertold de Mitternhusen" erscheint in Salzburger Urkunde
  • 1180: Jaubing: Ein "Walterus de Jubingen" tritt als Zeuge vor Gericht auf.
  • 1300: Alzgern: Besitz lt. Urbar in "Sant Marein Chirchen"
  • 1300: Roja: Besitz lt. Urbar "am Anger in Reusheim"

 

Die zeitliche Reihenfolge sagt nichts über das Alter des einzelnen Dorfes aus, dennoch ist Mittling als erstes in der Reihe, wohl die älteste dörfliche Siedlung. Mittling war Pfarrsitz, die Pfarrei reichte in früherer Zeit über den Alzgern auch nach Perach. Im Jahr 1231 wurde die dem Erzbistum Salzburg eingegliederte Pfarrei dem Chorherrnstift Altötting geschenkt, in Folge wurde die Pfarrei von 1231 bis 1803 (Säkularisation) durch Vikare verwaltet. Die Pfarrei wurde um 1400 in das dem Stift nähergelegene Sandmareinkirchen (Alzgern) verlegt. Ab 1803 ist die Pfarrei Alzgern wieder selbständige Pfarrei.


Die von den Agilolfingern als Verwaltungseinheiten eingerichteten Gaue (Alzgern zählte zum Cidlargau) ersetzten im 13. Jhdt. die Wittelsbacher Herzöge in Altbayern durch Gerichtsbezirke, die wiederum in Schergenämter unterteilt waren. Alzgern wurde zuerst als Obmannschaft "Im Alzgern" dem Amt Ötting (Neuötting) später dem Amt Wald zugerechnet. Dem Schergenamt stand der Scherg oder Amtmann vor, der Obmannschaft der Obmann vor. In späterer Zeit wurde der Alzgern ein eigenes Amt (nachweislich ab 1713). Im Zuge der Neuorganisation des Gerichts- und Verwaltungswesens wurde aus dem Amt im Alzgern ab 1803 der Steuerdistrikt Alzgern und ab dem Jahr 1818 die Gemeinde Alzgern. Die politische Selbständigkeit endete mit der Eingemeindung in die Stadt Neuötting 1971.

 


Über Jahrhunderte hinweg bildete die Landwirtschaft die Lebensgrundlage für die Bevölkerung. Erst mit der Industrialisierung im Landkreis begann der Wandel zu einer Wohngemeinde für Arbeiter. Mit der Integration von Heimatvertriebenen nach dem 2. Weltkrieg begann größere Wohnbautätigkeit in Alzgern, so hat sich der Ort Alzgern nun ausschließlich zum Wohndorf gewandelt hat. Mit der Bautätigkeit ist auch die Einwohnerzahl gestiegen. Waren es in früheren Jahrhunderten nicht mehr als 700 Einwohner, so hat die ehemalige Gemeinde heute weit mehr als 1.000 Bewohner.

Die historisch gewachsenen Dörfer mit den alten Kirchen, die Lage des Alzgern zwischen Inn, Alz und Forst mit den vielen Freizeitmöglichkeiten und die Nähe zu den Einkaufstätten und den Arbeitspätzen in der Industrie machen Alzgern zu einer bevorzugten Wohngemeinde mit hohem Freizeitwert.

 

 
 

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